Lost In Translation
oder
Translation failed – Der Übersetzungs-Error!
Dinge die mich nerven gibt es viele auf dieser Welt – zu viele. Trotz dessen, oder gerade deswegen, habe ich aus Gründen der Selbsterhaltung im Laufe der Jahre und mithilfe harter Autodidaktik, gelernt, mit diesen Dingen umzugehen. Gute Kenntnisse über den eigenen Charakter können da genauso hilfreich sein, wie ein kompetenter Umgang mit gesellschaftlich mehr oder weniger geduldeten Suchtmitteln.
Doch auch nach Jahren mentaler Stählung passieren Dinge, die jedes meiner inneren Bollwerke der Ignoranz und des Zynismus überrennen, wie die Stiere strauchelnde Touristen beim spanischen Stierlauf.
Zu diesen Dingen gehört neben zahlreichen Politikern, wie Innenminister Wolfgang Schäuble oder Roland Koch, auch seit Jahren die Übersetzung englischer Filmtitel ins Deutsche. Wobei Übersetzung eigentlich kaum zutreffend ist, denn es werden die verschiedensten Techniken genutzt oder gar kombiniert: Neben der klassischen Übersetzung wird auch vereinfacht, dem Originalnamen ein deutscher Untertitel hinzugefügt oder gar ein gänzlich neuer Titel erfunden. Bei der Namensgebung scheinen weder dem sinnfreien Einfallsreichtum, noch dem Qualitätsabfall Grenzen gesetzt zu sein.
Fast scheint es, als sei ein südostasiatischer Ring organisierter Verbrecher, neben der illegalen Vervielfältigung, auch für die Übersetzung der Werke zuständig … Oder eine Gruppe frisch eingetroffener Green Card Besitzer aus Indien. Die Wahrheit ist jedoch weniger naheliegend, dafür mehr als doppelt so traurig: Es handelt sich bei den Zuständigen um Personal, das wesentlich mehr verdient, als es verdient.
Etliche Male bereits habe ich mich gefragt, warum diese Menschen für ihre Gräueltaten nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Und warum kann ein Film wie „Old School“ (engl. Originaltitel) nicht auch in Deutschland einfach „Old School“ heißen, sondern „Old School – Wir lassen absolut nichts anbrennen“. Das macht den Titel zwar Aussage kräftiger, aber leider nur dahingehend, dass man ihn für einen Streifen auf dem Niveau einer schlechten Fernsehproduktion eines deutschen Privatsenders hält.
Werden diese zerschredderten Filmtitel eigentlich vor den Künstlern, die einen, eventuell auch guten, Film abgeliefert haben, geheim gehalten? Vermutlich, ansonsten dürften einige der Verantwortlichen sicherlich mit Klagen wegen Verleumdung oder Rufmord rechnen.
Filme sind stille Opfer und ihre Peiniger sind im Auftrag der Filmvertriebe tätig. Wenn aus dem englischen Originaltitel „Lock, Stock and Two Smoking Barrels“ im deutschen „Bube, Dame, König, Gras“ wird, dann ist der schuldige Übersetzer so nutzlos, wie ein plastischer Chirurg, dem regelmäßig das Skalpell ausrutscht.
Dass diese Tortur der Geschmacksnerven so schnell kein Ende nehmen wird, beweisen aktuelle Produktionen wie „Die Eisprinzen“ (Originaltitel: „Blades of Glory“) oder „Das Beste kommt zum Schluss“ (Originaltitel: „The Bucket List“). Gott sei Dank gibt es auch in dieser Branche Menschen mit Sachverstand. Menschen die wissen, dass weniger manchmal mehr ist. „Full Metal Jacket“ (der diesen Titel im Original wie auch in der deutschen Version trägt) beweist eindeutig die Eingängigkeit guter Titel, obwohl sicherlich auch heute nicht jeder weiß, dass der Titel sich auf sogenannte Vollmantelgeschosse bezieht (full metal jacket bullets).
Solange jedoch Filme, die ursprünglich „What Planet Are You From?“ hießen, mit Namensmutanten wie „Good Vibrations – Sex vom anderen Stern“ vergewaltigt werden, solange muss ich weiterhin Beruhigungsmittel schlucken, bevor ich das Kinoprogramm lese und auf Erlösung hoffen. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, es ist eine „Reine Nervensache“ (im Original übrigens „Analyze This“).
Schlagworte: film, filmtitel, synchronisation, titel